Acryl-Glas, Floatglas oder Museumsglas?

Eine differenzierte Entscheidungshilfe für die professionelle Einrahmung

Die Wahl des richtigen Glases beeinflusst nicht nur den Schutz eines Kunstwerks, sondern auch dessen optische Wirkung. Neben Sicherheits- und UV-Aspekten spielen Farbwiedergabe, Reflexion, Materialstärke und der Abstand zur Arbeit eine entscheidende Rolle.


1. Floatglas – Standardlösung mit optischen Grenzen

Floatglas ist das klassische Bilderrahmenglas. Es ist hart, elektrisch neutral und relativ kratzunempfindlich. Dennoch wird häufig übersehen, dass Floatglas nicht vollständig farbneutral ist.

Je nach Dicke besitzt es einen leichten grünlichen Eigenfarbton, der insbesondere bei hellen Motiven oder weißen Passepartouts sichtbar werden kann. Bei konservatorisch anspruchsvollen Arbeiten kann dies zu einer minimalen optischen Verfälschung führen.

Im Bereich vieler Wechselrahmen ist Floatglas standardmäßig verbaut.

Varianten im Überblick:

Standardglas / Floatglas
Hochwertiges Glas mit geschliffenen Kanten – robust und bewährt.

Standardglas mattiert (Refloglas)
Einseitig mattierte Oberfläche zur Reduzierung von Spiegelungen.
Die matte Struktur reduziert jedoch auch die Brillanz des Bildes.
Wichtig: Die Passepartoutstärke sollte maximal 1,7 mm betragen. Bei größerem Abstand zwischen Glas und Werk kann die Darstellung leicht verschwommen wirken.


2. Acryl-Glas – leicht, bruchsicher und UV-stark

Acryl-Glas (PMMA) ist deutlich leichter als Floatglas und nahezu bruchsicher. Gerade bei großen Formaten, in öffentlichen Räumen oder beim Versand bietet es sicherheitstechnische Vorteile.

Ein wesentlicher Vorteil ist der mögliche UV-Schutz von bis zu nahezu 100 %, was insbesondere für lichtempfindliche Arbeiten relevant ist.

In unserem Sortiment sind folgende Acryl-Glas-Varianten erhältlich – millimetergenau im Zuschnitt oder in Standardmaßen:


Acryl-Glas UV90

  • 90 % UV-Schutz
  • Sehr gute Lichtdurchlässigkeit
  • Farbneutral
  • Bruchfest

Aufgrund möglicher statischer Aufladung nicht geeignet für Pastell- oder Kohlearbeiten.


Antireflex Acryl-Glas UV100

  • Einseitig matt geätzt
  • Höchstmöglicher UV-Schutz (nahezu 100 %)
  • Reduzierte Spiegelungen

Auch hier gilt:
Die mattierte Oberfläche nimmt dem Bild etwas Brillanz.
Die Passepartoutstärke sollte 1,7 mm nicht überschreiten, da sonst ein leicht verschwommener Eindruck entstehen kann.
Aufgrund statischer Aufladung nicht geeignet für Pastell- oder Kohlezeichnungen.


Optical HC

  • 99,7 % UV-Schutz
  • Eine Seite kratzfest gehärtet
  • Besonders robust im Handling

Diese Variante eignet sich für Anwendungen mit höherer mechanischer Beanspruchung.


Tru Vue Optium Museum Acrylic®

  • Beidseitig entspiegelt
  • Hohe optische Klarheit
  • Kratzfest und antistatisch
  • UV-Schutz 99 %

Diese Variante verbindet die Sicherheitsvorteile von Acryl-Glas mit musealer Präsentationsqualität.


3. Museumsglas – farbneutral und optisch optimiert

Im Gegensatz zu herkömmlichem Floatglas wird Museumsglas aus besonders klarem Weißglas gefertigt. Dadurch entfällt der typische Grünstich.

Zusätzlich verfügen moderne Museumsgläser über interferenz-optische Entspiegelungen, die Reflexionen deutlich reduzieren, ohne die Bildbrillanz zu mindern.


Museumsglas UV70 (TrueColour)

  • Beidseitig 4-fach entspiegelt
  • 70 % UV-Schutz
  • Hohe Transparenz
  • Kratzunempfindliche Schutzschicht

Die verbleibende Restreflexion wird leicht grünlich wahrgenommen.


Museumsglas UV92 (ClearColour)

  • Beidseitig 6-fach interferenz-optisch entspiegelt
  • Restreflexion unter 1 %
  • UV-Schutz 92 %
  • Sehr hohe Transmission und klare Konturschärfe

Die minimale Restreflexion wird leicht bläulich wahrgenommen.


4. Elektrostatische Aufladung – konservatorisch relevant

Acryl-Glas kann sich elektrostatisch aufladen.
Bei Arbeiten mit losen Pigmenten (Pastell, Kohle, Kreide, Graphit) kann dies problematisch sein.

In solchen Fällen ist Glas – insbesondere Museumsglas – häufig die konservatorisch sichere Wahl.


5. Welche Lösung ist wann sinnvoll?

Für große Formate & öffentliche Räume:
Acryl-Glas (Sicherheitsaspekt)

Für maximale Farbreinheit:
Museumsglas aus Weißglas

Für Standardrahmungen:
Floatglas

Für stark beleuchtete Räume:
Entspiegelte Varianten (Glas oder Acryl-Glas)

Für Pastell- oder Kohlearbeiten:
Float- oder Museumsglas


6. Fazit

Die Wahl des richtigen Materials ist keine Frage von „besser oder schlechter“, sondern von Kontext.

Zu berücksichtigen sind:

  • Art des Werkes
  • Format
  • Lichtverhältnisse
  • Sicherheitsanforderungen
  • konservatorische Aspekte
  • gewünschte Farbwiedergabe

Ein bewusst gewähltes Glas unterstützt nicht nur die Präsentation, sondern auch den langfristigen Erhalt des Werkes.

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